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5 Jahre WortParade - und weiter geht's

Hätte ich das am 1. April 2012 gedacht, als ich den Sprung ins kalte Wasser gewagt und mich als Werbetexterin selbstständig gemacht habe? Gehofft sicherlich, denn ohne Hoffnung auf Erfolg unternimmt man einen solchen Schritt ja nicht. Doch wie sich alles entwickeln würde, das konnte ich damals noch gar nicht absehen.

Am Anfang stand der Werbetext

Frisch nach dem Fernstudium zur Werbetexterin habe ich natürlich damals alles angeboten, was ich auch im Fernstudium gelernt hatte: Von der Anzeige bis zur Zahnarztbroschüre. Pressemitteilungen ebenso wie Plakate, Reden genau wie Preisausschreiben. Ganz am Anfang bestanden meine Kunden auch in erster Linie aus Freunden und Bekannten, denen ich bei selbstgebastelten Flyern mit Texten unter die Arme griff.Allerdings habe ich dann schnell gemerkt, dass mir manche Bereiche einfach viel mehr liegen als andere. Der Bereich PR und Pressemitteilungen zum Beispiel, das wird niemals mein Lieblingsbereich werden. Zu strikt, zu kühl, zu sehr von Vorgaben eingeschränkt, damit tue ich mich schwer. So habe ich diesen Bereich irgendwann aus meinem Leistungsangebot herausgenommen und leite entsprechende Anfragen dann an diejenigen Texterinnen im Netzwerk weiter, die das mit Freude und Begeisterung können. Andere Bereiche ließen von selbst in den Anfragen nach, weil 'man' so einfach nicht mehr wirbt - hier denke ich an Flyer, deren ganz große goldene Zeit mittlerweile vorbei zu sein scheint. Trotzdem biete ich Flyer nach wie vor an, da es für viele Unternehmen immer noch eine gute Art der Werbung ist, die sich besonders gut mit einer Webseite kombinieren lässt.

Erfahrungen machen klug

Auch habe ich, ungefähr im 3. Jahr meiner Tätigkeit, dann festgestellt, dass manche Aufgaben für mich einfach nicht praktikabel sind. Die Anfrage "Können Sie wohl für uns regelmäßige Blogbeiträge schreiben?" habe ich anfangs mal angenommen und dann sehr schnell gemerkt, dass Blogbeiträge - ebenso wie Facebook-Posts für andere Unternehmen - für mich nicht praktikabel sind. Warum? Ein Blog muss eine gute Mischung bieten aus Fachbeiträgen, Neuigkeiten aus der Branche, aber auch persönlicheren Einblicken in die Firma. Und um so etwas schreiben zu können, braucht man entweder eigene Einblicke in alle diese Bereiche oder aber einen Mitarbeiter in der Firma, der zuverlässig und regelmäßig die entsprechenden Stichwörter liefert. Das heißt also, entweder ausgiebige Recherche für mich und somit ein höheres Honorar, oder aber einen Mitarbeiter im beauftragenden Unternehmen, der einen Teil seiner Arbeitszeit mit der Vorbereitung für Blogbeiträge verbringt. Zu beidem sind die Auftraggeber meistens nicht bereit. Und als es immer öfter hieß: "Nein, so viel Geld kann ich aber monatlich nicht bloß für unseren Blog ausgeben.", habe ich auch den Bereich der Blogbeiträge sehr schnell aus meinem Repertoire gestrichen. Da hatte ich dann allerdings auch schon so einige Beiträge für den berühmten Appel und das Ei geschrieben. Gerade in den Anfängen der Selbstständigkeit tut man sich ja oft schwer, Aufträge komplett abzulehnen und denkt sich: "Ach, lieber viele kleine Aufträge für wenig Geld, als gar nichts zu tun zu haben." Das ist allerdings ein Trugschluss, der nach hinten losgeht. Denn durch diese vielen kleinen Aufträge bindet man Zeit und Ressourcen, die dann für große Anfragen nicht zur Verfügung stehen. Und man erklärt sich bereit, zu einem umgerechnet wirklich lächerlichen Stundenlohn tätig zu werden, aus dem man nur schwer wieder rauskommt. Wenn dann irgendwann die Frage im Raum steht: "Warum kostet denn ein Blogbeitrag bei Ihnen nur 25,- Euro, für einen Fachartikel wollen Sie jetzt aber auf einmal 250,- Euro haben?" kommt man in Erklärungsnot - vor allem auch sich selbst gegenüber.

Selbstständig - selbst und ständig?

Es ist ja eine Art Running Gag, dass man als Selbstständige wirklich andauernd und alleine arbeitet. Eine Menge Wahrheit steckt allerdings darin, und das musste ich dann in meinem 4. und 5. Jahr feststellen. Mittlerweile hatte sich mein Leistungs-Portfolio ab 2015 schon sehr auf Webseitentexte spezialisiert, was auch der Relaunch meiner eigenen Webseite nach außen zeigte. Ich habe schon ziemlich mit mir gehadert, ob es wirklich schlau ist, mich so sehr auf ein Feld zu konzentrieren. Geblieben ist es dann letztendlich auch bei Webseitentexten und Print, da ich den Bereich der Flyer, Broschüren und Werbebriefe nicht komplett abgeben wollte und will. Gleichzeitig tat sich durch die Zusammenarbeit mit Peter Berwanger von Wreb.de ein unverhoffter neuer Bereich auf, nämlich das Angebot kompletter Webseiten. Als Programmierer und Webdesigner wurde Herr Berwanger oft mit der Frage: "Machen Sie denn auch die Texte?" konfrontiert und hat durch die Verneinung so manchen Kunden an eine Agentur verloren. Ebenso ging es mir, wenn ich die Frage: "Machen Sie denn auch die ganzen Seiten?" verneinen musste, denn dann haben sich die Anfragenden ebenfalls an eine der Agenturen gewandt, die das komplette Paket anboten. Nachdem ich also die Texte für Wreb.de komplett neu geschrieben habe, dachten wir über eine Zusammenarbeit nach und konnten auch recht schnell Kunden für dieses neue Komplettangebot gewinnen. Das führte allerdings für mich dazu, dass ich auf einmal sehr, sehr viel zu tun hatte - und schnell merkte, dass meine eigentlich schon großen Kinder doch nicht ganz so nebenher liefen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Zu meiner steigenden Arbeitszeit kamen die normalen Ansprüche, die halbwüchsige Kids, ein Haus, ein Garten, ein älterer Vater und auch der Wunsch nach ein bisschen Fitnesss nun mal an einen stellen. Ich verabschiedete immer öfter meine Familie abends in die Betten, um mich dann noch mal für ein paar Stunden in mein Büro zurückzuziehen. Höhepunkt des Wahnsinns war dann der Sommerurlaub 2015, als auf dem Küchentisch des holländischen Bungalows mein Laptop neben einem Papierstapel thronte und ich Texte schrieb, während mein Mann seine Laufrunden drehte und die Kids sich im Spaßbad vergnügten. Da war dann klar, dass sich nach dem Urlaub ein bisschen was ändern musste, bevor meine neuen Begleiter "selbst und ständig" mir den Rest gaben. Also war Umdenken gefragt.

Notwendiger Blick von außen

Wie es der Zufall will, hatte ein Coach mich um Rat zu seinem Werbeauftritt gefragt. Eben diesen Coach bat ich nun meinerseits um Hilfe und saß bald darauf in seiner gemütlichen Praxis bei einer wunderbaren Tasse Tee. Ich hatte keine Ahnung, was ich genau wollte, aber ich wusste: So geht es nicht weiter. Soll ich alles hinschmeißen? War es vielleicht zu früh für die Selbstständigkeit und ich sollte lieber warten, bis die Kinder komplett aus dem Haus sind?Mit viel Geduld und Zeit brachte der professionelle Blick von außen ans Licht, dass gar nicht so sehr die äußeren Umstände meine derzeitige Situation so schwer machten, sondern mein eigenes Anspruchsdenken. Ich war einfach immer davon ausgegangen, dass meine Kinder mich ebenso zu 100 % brauchen wie mein Mann, das Haus, mein Vater, der Garten, der Chor, meine Freunde, die Klassenpflegschaft ... und so schauten wir nun gemeinsam, welche Bereiche mich beflügeln und welche mir Ketten an die Beine heften. Fragen, was MEINE Prioritäten sind, was für mich wirklich wichtig ist, brachten Klarheit und führten dazu, dass ich in einigen Bereichen Ehrenämter niedergelegt habe, die ebenso gut von anderen Leuten übernommen werden konnten. Gespräche mit meinen Kindern zeigten, dass mein Anspruch an gemeinsame Familienzeit, gemeinsame Mahlzeiten etc. gar nicht mit ihren Vorstellungen und Wünschen übereinstimmten. Und der ganz intensive Blick galt meiner eigenen Auffassung von mir als Unternehmerin - denn dieser Blick war von mir als "Familienmanagerin" natürlich komplett getrübt. Mein Coach stellte mir eine unbequeme Frage: "Willst du eine Unternehmerin sein, die nebenbei auch noch Haushalt und Kinder hat, oder eine Hausfrau und Mutter, die nebenbei Texte schreibt? Beides ist in Ordnung, aber du musst dich für eines entscheiden."Uff. Diese Frage kostete mich einige schlaflose Nächte, viele Gespräche mit Familie und Freunden, und ich musste mein Bild von mir und der Welt tüchtig zurecht rücken. Am Ende stand dann aber die klare - wenn auch anfangs recht zaghafte - Aussage: "Ich bin Unternehmerin!". Das wirklich laut auszusprechen hat mich tatsächlich ganz schöne Überwindung gekostet, vor allem als mein Coach fast streng sagte: "Ich nehme dir das nicht ab. Du glaubst das selbst nicht. Noch mal!", bis ich dann wirklich klar und deutlich mit großer Überzeugung sagen konnte: "Ich bin Dorothee Bluhm und ich bin Unternehmerin." Vielleicht liest sich das jetzt für manche Menschen albern oder zum Naserümpfen, doch für mich hat das einen völlig neuen Weg geöffnet.

Wo will ich hin?

Dieses neue "unternehmerische Denken" hatte nicht nur zur Folge, dass ich mein Büro komplett umstrukturiert habe. Viel wichtiger war der Umbau im Kopf: Überlegungen zu den Projekten, die ich annehme und denen, die ich guten Gewissens ablehnen kann. Gedanken zu Honoraren, die in Ordnung sind und solchen, bei denen ich dem Kunden ganz klar sagen muss: "Nein, tut mir Leid, für das Budget ist das so nicht zu realisieren." Das Gefühl, mittlerweile wirklich eine Fachfrau für den Bereich der Webseitentexte zu sein und im Kundengespräch sicher und überzeugend auftreten zu können, weil ich mittlerweile aus Erfahrung sprechen kann. Und die Stärke, auch im privaten Bereich Dinge dankend abzulehnen, anstatt immer die erste zu sein, die zur Verfügung steht - das alles führte im letzten Jahr zu einem anderen Denken und einer anderen Arbeitsweise. Es ist immer noch viel zu tun, gerade im Januar 2017 stand das Telefon kaum still. Aber ich sage meinen Kunden jetzt andere Projektzeiten zu, baue mir Puffer ein, muss nicht mehr alles zu sofort erledigen. Ich kann besser kalkulieren, welche Schwierigkeiten mit einem Projekt verbunden sein können und diese zeitlich einplanen. Natürlich sind immer mal äußere Einflüsse, die ich nicht absehen kann (wie zum Beispiel die Grippewelle, die auch den Bluhmschen Haushalt für eine Woche im Februar flachlegte. Ich war zwar selbst nicht betroffen, aber zuerst mein Sohn, dann mein Mann und schließlich auch noch meine Tochter lagen auf den Nasen und da wurde mein Büro doch etwas vernachlässigt), aber gerade dann kommen die Puffer ins Spiel und am Ende bleibe ich im zugesagten Zeitrahmen.So kann ich für mich nun nach 5 Jahren Selbsttändigkeit mal ein bisschen zurücklehnen und auf das schauen, was ich bisher hinter mich gebracht habe. Der Weg ist nicht gerade, er war zum Teil steinig, zum Teil sehr eben und manchmal auch trocken und langweilig. Aber er war überwiegend spannend und führt konstant den Berg nach oben - manchmal in Serpentinen, manchmal ganz schön steil, manchmal fast unmerklich im Anstieg oder mit einer Aussichtsplattform, auf der ich das hinter mir Liegende von oben anschauen konnte. Und damit bin ich mehr als zufrieden und kann mich beruhigt, neugierig und überwiegend glücklich auf den weiteren Weg machen. Derzeit als Texter für Webseiten, aber auch immer offen für die Herausforderungen, die die Zukunft für Texter bringt. Auf die nächsten 5 Jahre! Und auf euch und Sie als meine Freunde, Kunden und zukünftigen Auftraggeber, die mich diesen Weg begleitet haben und noch begleiten werden. Ich freue mich drauf.

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