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Heiße Zeiten in der WortParade

Es geht echt heiß her - und das ist nicht nur im übertragenen Sinne gemeint, sondern auch ganz und gar wörtlich zu nehmen ...Was habe ich im letzten Sommer in meinem Kellerbüro gebibbert, dicke Strickjacke an, ebenso dicke Socken an den Füßen, und immer ein leicht klammes Ambiente, aus dem ich in regelmäßigen Abständen zum Aufwärmen nach oben ins Haus oder in den Garten ging. Nun, in diesem Jahr ist das komplett anders. Nicht nur entpuppt sich der Sommer 2018 als einer der heißesten und trockensten in Deutschland, sondern ich sitze nun auch in meinem hübschen Büro - im Dachgeschoss. Zwei große Fenster lassen viel Licht hinein ... ganz viel Licht ... Sonnenlicht. Und damit verbunden auch ganz viel Wärme. Da muss man schon aufpassen, dass es keinen Hitzestau im Kopf gibt, der die Gedanken blockiert. Aber wenn alle Fenster und Türen geöffnet sind, dann geht ein feines Lüftchen und hilft bei der Konzentration. Und wenn alle Stricke reißen, dann hole ich mir eine große Schüssel voll mit Wasser und stelle meine Füße rein. Sieht ja keiner. Man darf das nur nicht vergessen, wenn man aufstehen will ...Aber genug zum Wetter, auch so war eine heiße Phase in der WortParade. Treue Leser merken es daran, dass der letzte Beitrag hier aus dem Februar ist - Asche auf mein Haupt! Seitdem ist meine To-do-Liste nie leer, sie ging sogar mal über 1,5 Seiten ... Din-A5 zwar, aber immerhin. Eine Zeitlang habe ich mich wirklich verrückt gemacht und bin nachts mit Herzklopfen aufgewacht, habe Gedanken gewälzt wie: "Das kannst du niemals alles schaffen. Die Abgabe ist ja schon Ende nächster Woche!" oder "Was, wenn jetzt was passiert? Wenn du krank wirst? Oder eines der Kinder?" - nach solchen Nächten ist man natürlich morgens echt gerädert, was nicht gerade zu produktiver Arbeit beiträgt und nach Feierabend das Gefühl der Hilflosigkeit noch verstärkt. Und dann kam es tatsächlich zum gefühlten Super-GAU: WhatsApp des Sohnes an einem Donnerstag gegen 18:00 Uhr: "Wann kommst du nach Hause?" und "guck mal, mein Knöchel ..." pingte hier auf mein Handy und beim Anblick des Fotos blieb mein Herz kurz stehen. Das war doch kein Knöchel, das war irgendwas sehr Entstelltes mit einem Tischtennisball unter der Haut. Ich bin natürlich sofort nach Hause geflitzt und da lag er auf dem Sofa, recht blass um die Nase, das kaputte Bein hochgelagert. Tja, beim Sport umgeknickt, keine Schmerzen aber bewegungsunfähig. Also ab in die Notaufnahme, wo wir dann bis 23:00 Uhr waren mit dem Befund: "Ja, wissen wir jetzt auch nicht so genau, wahrscheinlich Bänderriss ..." und einem schicken Air-Cast-Verband. Zusammen mit einer Krankschreibung für die nächsten acht Tage und der strikten Auflage, sich nicht zu bewegen, nichts zu belasten und alle zwei Tage zur Kontrolle zu kommen (wie auch immer das ohne Bewegung gehen sollte ... nun gut). Mit dem Attest in der Hand und einem sehr frustrierten Sechzehnjährigen auf die Schultern gestützt fuhr ich wieder nach Hause, während innerlich gerade alles zusammenbrach ...

Die (Un-)vereinbarkeit von Familie und Beruf ... live dabei.

Kind lag nun im Bett, Mann musste dringend schlafen (Wecker steht auf 4:20 Uhr), wollte aber kurz hören, was Sache war. Problem: in seiner Firma begann nun gerade die heiße Phase, er konnte sich also ebenso wenig frei nehmen oder Stunden abknapsen wie ich auch. Für mich hieß das: sofortiger Zwangsurlaub, denn der Sohn konnte ja nun gar nix mehr. Der Freitag und das Wochenende waren ja noch okay, so langsam kam er dann auch mit den Krücken klar, so dass der gelegentliche Gang ins Bad ohne mich stattfinden konnte. Aber ansonsten hieß es: "Mamaaaaaa?" - die werden ja so schnell wieder zu Fünfjährigen ... Hunger und Durst, bisschen Schmerzen, kannst du mir mal die Decke aufschütteln, kannst du mir bitte mal das Buch von ganz oben aus dem Regal holen, kannst du mal ..? Und am Montag dann wieder in die Notaufnahme, natürlich ohne festen Termin, also früh hin und warten, warten, warten. Neuer Befund, irgendwie doch komisch, bitte einen Termin zum MRT machen ... ich will jetzt nicht alle Details hier aufführen, aber es zog sich alles hin, das Attest wurde noch zwei Tage verlängert, und in der ganzen Zeit war ich überwiegend zuhause. Irgendwann bin ich dann stundenweise ins Büro geflitzt, um wenigstens die Kleinigkeiten abzuarbeiten, aber konzentriertes Texten ist so natürlich auch nicht drin. Doch irgendwann geschah etwas Erstaunliches: ich merkte, dass die Panik und der Druck komplett weg waren. Ich konnte an der Situation nichts ändern, ich konnte nichts dafür (oder dagegen ...), und irgendwie musste und würde es einfach weitergehen. So habe ich Tag für Tag so genommen, wie er kam und einfach alles abgearbeitet, so gut es ging. Ohne Meckern und Hadern und Wenn und Aber, ohne wilde Gedankenszenarien, was alles schiefgehen könnte. Morgens den Sohn mit allem Nötigen versorgt, ins Büro, die Liste abgearbeitet, mittags nach Hause, gekocht, den Sohn für den Nachmittag versorgt, wieder ins Büro, abends dann länger gemacht, weil mein Mann zuhause war ... und am nächsten Tag wieder von vorne. Irgendwann war dann der Schulbesuch wieder möglich, allerdings mit Krücken, was für ein altes Gymnasium mit 3 Etagen und ohne Fahrstuhl genau richtig ist. Das hieß: Sohn früh genug zur Schule bringen und mittags wieder abholen, zum Nachmittagsunterricht wieder hin und abends wieder zurück. Da merkt man erstmal, was sonst so mit dem Rad erledigt wird. Aber auch das war einfach etwas, das erledigt werden musste. Und in allen Zeitfenstern, die sich ergaben, habe ich mich um meine Webseitentexte, Flyer, Broschüren, Texte für Werbebriefe, meinen Vortrag, Blogbeiträge und sonstigen Aufgaben gekümmert. Und was soll ich sagen? Es lief. Kein Wunder, verbrachte ich ja nicht mehr so viel Zeit mit Hadern und Zaudern, sondern machte einfach so viel wie möglich. Außerdem hat man nach 6 Jahren im Geschäft ja doch einige Erfahrung und ich hatte tatsächlich genug Puffer in meine Aufträge eingebaut, dass es nie zu eng wurde - allein das war eine super Erkenntnis für mich.

"Yesterday is history, tomorrow is a mistery, today is a gift" - gestern ist Vergangenheit, morgen ist noch ein Geheimnis - der Tag heute ist ein Geschenk

Dass an dem Tag, an dem der Sohn endlich wieder mit dem Rad zur Schule konnte, nachmittags meine Tochter mit verheulten Augen vor der Tür stand und sich die nächsten vier Tage erstmal mit heftigstem Liebeskummer ins Bett legte, davon richtig krank wurde und ich natürlich auch wieder überwiegend zuhause anzutreffen war, hat mich dann nicht mal mehr zum Blinzeln gebracht. Manchmal muss man halt auf die harte Tour merken, dass die Businessplanung auf ziemlich sicheren Füßen steht. (Als leicht abergläubisches Wesen schicke ich schnell ein herzhaftes "Toi-toi-toi!" in den Äther, denn weiter strapazieren muss ich das bitte nicht.)Tja, das war mal eine andere 'Projektbeschreibung', nämlich eher das Projekt "Familie und Beruf unter einen Hut bringen", und das scheint nie so ganz aufzuhören, egal, wie alt die Kinder sind.Doch nun, einige Wochen später, arbeite ich auch wieder emsig vor mich hin, aber aus einem anderen Grund: Der Urlaub steht vor der Tür, und in den möchte ich mit leerem Schreibtisch verschwinden. Also wieder eine Liste, die Stück für Stück abgearbeitet wird. (Wie immer dreht es sich um schöne Webseitentexte, aber auch um einen Werbebrief sowie einige spannende Interviews.) Trotz Tochter, die letzte Woche alle vier Weisheitszähne rausoperiert bekommen hat, und trotz Sohn, der morgen für 14 Tage nach Kroatien verschwindet und noch auf den letzten Drücker irgendwelche Sachen braucht bzw. nachmittags zum Abfahrtsort gebracht werden muss. Wenn ich eines in diesem ersten halben Jahr gelernt habe, dann das: Irgendwie fügt sich alles zusammen. Und ich merke jetzt, wie viel Weisheit oder Wahrheit in dem altbekannten Spruch steckt:"Herr, gib mir die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann,und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."Tja, genau so ist das. Und trotzdem wären etwas ruhigere Gewässer für den Rest des Jahres nicht schlecht. Jedenfalls im familiären Bereich ...

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